14. Dezember 2016

Bundesnetzwerk: SCHULE FÜR ALLE

10 Mindestkriterien zur Organisation einer
inklusiven Schule/Schulgemeinde(*)

„Es ist normal, verschieden zu sein“  (Richard von Weizsäcker 1994 )

  1. Alle Kinder sind willkommen
    Alle Kinder, unabhängig von ihrem individuellen Unterstützungsbedarf aufgrund  ihrer Behinderung bzw. ihrer Beeinträchtigungen, ihrer Begabung, ihrer Sprachentwicklung, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer sozialen und kulturellen Herkunft sind in einer inklusiven Schule willkommen.
  2. Gemeinschaftlich erstelltes Inklusionskonzept
    Die Schulgemeinde (*) wird in den Schulentwicklungsprozess aktiv, transparent  und demokratisch eingebunden. Ein auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder ausgerichtetes  inklusives Bildungskonzept wird erarbeitet und regelmäßig evaluiert. Strukturen der Reflexion und wertschätzende Kommunikation sind die Grundlage von lösungsorientierten Veränderungsprozessen.
  3. Multiprofessionelle Teams
    Die Arbeit an der Schule erfolgt interdisziplinär. Multiprofessionelle Teams begleiten alle Kinder auf ihrem Bildungsweg und unterstützen sie personen- und stärkenorientiert nach ihrem individuellem Bedarf.
  4. „Schule ist nur da, weil die Kinder da sind“ (Schülerinnen und Schüler gestalten die Schule mit)
    Alle Schülerinnen und Schüler mit und ohne Unterstützungsbedarf erhalten die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu artikulieren. Sie werden bei Entscheidungen innerhalb des Schullebens aktiv eingebunden und gestalten dieses mit. Gremien wie die Schüler/-innenmitverantwortung, der Schüler/-innenrat oder ähnliche Gremien sind in inklusiven Schulgemeinden etabliert.
  5. Individualisierte Lernangebote
    Alle Lernangebote werden der Heterogenität des Unterrichts und der Diversität der Schülerschaft gerecht (Individualisierung, selbstbestimmtes Lernen, Förderplanarbeit, Einbindung in den Sozialraum). Individuelle Lernfortschritte werden beschrieben  und in Portfolios oder Lerntagebüchern dokumentiert.
  6. Individuelle Wege der Berufsorientierung
    Instrumente der Berufsorientierung werden angeboten. Methodisch-didaktisch werden sie so angepasst, dass alle Schülerinnen und Schüler eine (realistische) Chance zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt erhalten.
  7. Ressourcen
    Räumliche, sächliche und personelle Ressourcen müssen bedarfsgerecht gewährleistet sein.
  8. Fortbildung, Evaluation und Qualitätssicherung
    Alle Mitarbeiter-Teams bilden sich regelmäßig fort. Ebenen der Evaluation und Qualitätssicherung sind etabliert.
  9. Ermöglichung aller Abschlüsse und flexible Formen der Leistungsnachweise
    Alle Abschlüsse werden vergeben. Innovative und flexible Formen der Erfassung individueller Kompetenzen sind zu entwickeln. Die Möglichkeit einer partiellen Leistungserbringung in Form von Zertifikaten oder durch Abschlüsse einzelner Fächer bzw. Modulbausteinen ist anzustreben.
  10. Außerschulische Kooperationspartner/-innen
    Außerschulische Kooperationspartner werden eingeladen und aktiv in die inklusive Schulentwicklung und in die Umsetzung des gemeinsamen Konzeptes eingebunden. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist verbindlich geregelt.

Wünschenswert:
Die inklusive Schule soll als Ganztagsschule organisiert sein.
(*) Schulgemeinde: hierzu gehören Schüler/-innen, Lehrer/-innen, Eltern,  Schulsozialarbeiter/-innen u. a.